Jugendzeit in Ostpreußen

Landleben im Ermland

Gespräch mit Franz Berger

Wir haben aus dem Vollen gelebt nach dem Kriegsausbruch, haben schwarz geschlachtet, obwohl im Extremfall die Todesstrafe darauf stand. Der Fleischbeschauer hat beide Augen zugedrückt. Er hat nichts gesehen, nichts gehört und dafür ein Stück Fleisch mitgenommen. Auch Verwandte in der Stadt haben hin und wieder ein Paket bekommen.

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Rauchen, stromern, organisieren – eine Kriegskindheit

Aufzeichnungen von Helmut Steinke

Einmal sahen wir in der Nähe der Kopernikusbrücke einen großen Bücherhaufen. So etwas macht neugierig, der Haufen wurde natürlich gründlich untersucht. Da Schätze meistens verborgen sind, griff ich auch mal tiefer hinein. Plötzlich hatte ich etwas Kaltes und Sperriges in der Hand. Mit einiger Mühe zog ich diesen Gegenstand heraus. Ich war wie versteinert, als ich in meiner Hand ein amputiertes Bein sah.

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Hungerjahre in Königsberg

Gespräch mit Elimar Moser

Es gab zahlreiche Ruinen, da war überall Holz drin. Wir haben ganze Balken abgesägt, die irgendwo herunterhingen. Ich habe das Holz kleingemacht, zusammengebündelt und bei russischen Familien gegen Lebensmittel eingetauscht. Sie haben mir dafür Brot, Zucker oder Kascha gegeben.

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Das Ende einer glücklichen Kindheit

Aufzeichnungen von Alfred Scherlies

Wir wurden zu einem Treck zusammengestellt und wie eine Viehherde in Richtung Osten getrieben – Greise, Frauen und Kinder. Bewaffnete Rotarmisten bewachten uns. Waren es hundert, zweihundert oder mehr Menschen? Ich weiß es nicht mehr.

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Von Sensburg nach Amerika

Aufzeichnungen von Johann Samlowski

An einem frühen Morgen im August 1939 weckten mich Soldatenlieder. Mein Bruder und ich sprangen ans Fenster. Die Rastenburger Infanterie mar­schierte durch die Straßen, und ich höre noch heute das Lied: „Grau wie die Erde ist unser Kleid“. Und dann erschien mein Vater – Hauptmann der Re­serve, zu Pferde vor seiner Batterie. Mensch, war ich stolz!

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Eine Hitlerjugend-Karriere in Königsberg

Gespräch mit „Nalli“

Am Morgen nach der „Kristallnacht“ kam ich an einem Geschäft mit einge­schlagenen Schaufenstern vorbei. „O, guck mal, da haben sie über Nacht eingebrochen“, dachte ich. Dann kam ich am nächsten Laden vorbei, da war es schon wieder so. „Das ist aber ein Zufall!“. Beim dritten Mal ging es mir auf, dass das jüdische Geschäfte waren.

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Als Flüchtling in Dänemark

Gespräche mit Hildegard F. und ihren Schwestern

Regelmäßig kamen Fischerfrauen von der Nehrung nach Tolkemit und schrieen durch die ganze Stadt: „Fluuundern, Fluuundern!“. Und die Leute machten die Fenster auf, gingen mit den Schüsseln auf die Straße und kauften ein.

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Kindheit in einem Herrenhaus in Ostpreußen

Erinnerungen von Fried von der Groeben

Reger Betrieb herrschte auf dem Gut im Sommer, und alles musste schnell gehen. Während der Ernte kamen nicht nur die Instleute zur Arbeit, son­dern auch ihre Kinder. Sie verdienten sich damit ein gutes Taschengeld.

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Jugendzeit im Memelland

Aufzeichnungen von Viktor Kittel

Am 22. März 1939 wurde das Memelland an das Deutsche Reich zurück­ge­gliedert. Ich ging wie jeden Morgen zur Schule, am Polizeipräsidium vorbei. Wie überrascht war ich, als ich dort Polizisten die deutsche Nationalhymne singen hörte. Hier und da wurden Hakenkreuzfahnen aus den Fenstern ge­hängt. Es durchfuhr mich wie ein Blitz: „Es ist soweit, Hitler hat uns heimge­holt!“

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Flucht aus Ostpreußen

Erinnerungen von Heinrich Ehlert

Man kann sagen, dass wir trotz aller kriegsbedingten Einschränkungen ein recht idyllisches Leben führten. Den Krieg erlebten wir nur indirekt durch Berichterstattung in Radio und Tageszeitung. Die Idylle endete abrupt am 20. Januar 1945.

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Leben und Schicksal einer ostpreußischen Bauernfamilie

Erinnerungen von Josef Block

Am 4. Februar 1945 kamen die Rotarmisten. Wir haben draußen gespielt, hörten die Kugeln pfeifen und sind nach Hause gelaufen. Mein Vater und die anderen Männer haben sich im Strohfach versteckt. Nur Frauen und Kinder sind im Haus geblieben. Und dann, auf einmal, polterte es.

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Der Schimmelreiter / Der Russeneinfall 1945

Aufzeichnungen von Waltraud Binna

In den dunklen Tagen, wenn sich das Weihnachtsfest näherte, kam der Schimmelreiter mit seinem Gefolge. Die Meute stürmte mit Musik und wil­dem Geschrei in unsere Küche.

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Als Haustochter in Ostpreußen

Aufzeichnungen von Hilde Carstensen

Es war mir selbst unfassbar, wie ich zu dem Freudenausbruch kam, als ich von Franz Werners Vorschlag las, Haustochter auf einem kleinen Gut in Ostpreußen zu werden. Vielleicht war es die aussichtslose Lage für uns junge Lehrerinnen, vielleicht Erlebnis- und Schaffensdrang.

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